Lagerkosten Rechner

ABC-Analyse für Bestandsoptimierung

Eine globale Lagerumschlagshäufigkeit mittelt Schnelldreher und Langsamdreher zu einer wenig aussagekräftigen Zahl. Die ABC-Analyse trennt das Sortiment nach Wertbeitrag — und ermöglicht es, für jede Klasse die richtige Bestandsstrategie zu wählen. Hier die Methodik plus konkrete Strategien je Klasse.

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Die 80/20-Regel im Lager

Die ABC-Analyse basiert auf der Pareto-Verteilung: in den meisten Sortimenten machen 20 % der Artikel 80 % des Wertumsatzes (oder Wareneinsatzes). Diese 20 % sind die A-Artikel — sie verdienen die größte Aufmerksamkeit im Bestandsmanagement.

Die drei Klassen

KlasseAnteil ArtikelAnteil WertumsatzCharakter
A10 – 20 %70 – 80 %Schnelldreher, hoher Wert
B20 – 30 %15 – 20 %Mittelfeld
C50 – 70 %5 – 10 %Langsamdreher, niedriger Wert

So führst du die Analyse durch

  1. Liste aller Artikel exportieren (aus dem Warenwirtschaftssystem) mit Verbrauchsmenge und Einkaufspreis pro Periode (z. B. 12 Monate).
  2. Pro Artikel: Wertumsatz = Menge × Einkaufspreis berechnen.
  3. Liste absteigend nach Wertumsatz sortieren.
  4. Kumulierten Anteil am Gesamtumsatz berechnen (laufende Summe / Total).
  5. Schnitte setzen: A bis 80 %, B bis 95 %, C ab 95 %.

In Excel: zwei Spalten extra (kumulierte Summe + kumulierter Anteil), dann mit IF-Formel die Klassen zuweisen. Bei großem Sortiment lohnt sich ein Pivot.

Strategien pro Klasse

A-Artikel — engmaschig steuern

  • Wöchentliches Bestandscontrolling
  • Sicherheitsbestand statistisch berechnen (95 – 99 % Servicegrad)
  • Frequente, kleine Bestellungen (oft JIT-fähig)
  • Bestellpunktverfahren (s,Q-Politik) mit niedrigen Beständen
  • Lieferantenbeziehungen aktiv pflegen
  • Forecast-Genauigkeit hat höchste Priorität

B-Artikel — pragmatisch managen

  • Monatliches Bestandscontrolling
  • Sicherheitsbestand mittel (90 – 95 % Servicegrad)
  • Mittlere Bestellfrequenz (alle 2 – 4 Wochen)
  • Bestellrhythmusverfahren mit festem Zyklus

C-Artikel — Aufwand minimieren

  • Quartals- oder Halbjahresbestellung
  • Niedrigster Sicherheitsbestand (oft 0)
  • Keine Forecast-Spielereien — auf Erfahrung setzen
  • Sortimentsbereinigung prüfen — viele C-Artikel haben Verlustpotenzial
  • Bei zu vielen C-Artikeln: Sortiment reduzieren statt optimieren

XYZ-Analyse als Ergänzung

Während ABC nach Wertbeitrag sortiert, sortiert XYZ nach Verbrauchsschwankung:

  • X-Artikel — gleichmäßiger Verbrauch, gut prognostizierbar
  • Y-Artikel — saisonale oder trendige Schwankungen
  • Z-Artikel — sporadischer, kaum prognostizierbarer Verbrauch

In Kombination ergeben sich 9 Felder (AX, AY, AZ, BX, …). Besonders wichtig: AZ (hoher Wert + sporadisch) — diese brauchen entweder hohen Sicherheitsbestand oder enge Lieferantenkopplung.

Konkrete Beispielrechnung

Mittelständischer Großhändler mit 2 000 Artikeln, 1 Mio € Ø Bestand:

  • A: 250 Artikel, 700 000 € Bestand, LUH 12
  • B: 500 Artikel, 200 000 € Bestand, LUH 6
  • C: 1 250 Artikel, 100 000 € Bestand, LUH 1,5

Die globale LUH wäre 8 — aber das verdeckt: bei C ist die LUH miserabel (1,5), und 100 000 € binden Kapital, das woanders besser angelegt wäre. Konkrete Maßnahme: 30 % der C-Artikel auslisten oder zu Konsignations-Lieferung verhandeln. Effekt: 30 000 € weniger Bestand, 1 500 – 2 400 € weniger Kapitalbindung pro Jahr — mit minimalem Service-Risiko.

Spiele die Effekte im Rechner durch — der Bestandseffekt auf den Lagerkostensatz ist oft größer als erwartet.