Lagerkosten Rechner

Lagerkosten verstehen — die 6 Kostenblöcke im Detail

Lagerkosten sind ein Sammelposten — und genau das macht sie unübersichtlich. Wer nur Miete und Personal rechnet, übersieht oft den größten Block: die Kapitalbindung. Hier die sechs Kostenblöcke im Detail, mit typischen Anteilen für KMU.

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Block 1 — Raumkosten (typisch 25 – 40 %)

Die Bereitstellung der Lagerfläche selbst:

  • Miete oder Pacht — bei eigener Halle: kalkulatorische Miete
  • Energie — Heizung, Klimatisierung, Beleuchtung
  • Reinigung & Instandhaltung
  • Grundsteuer bei Eigenbesitz

Faustwert: 50 – 150 €/m² pro Jahr für Standard-Lagerflächen, 200 – 400 €/m² für klimatisierte oder pharmazeutische Lager.

Block 2 — Personalkosten (typisch 30 – 45 %)

In der Regel der größte Einzelblock. Wichtig: Vollkosten ansetzen, nicht nur Bruttogehalt.

  • Bruttogehalt × ca. 1,3 (Lohnnebenkosten)
  • Anteile von Lager-, Inventur-, Versand- und Wareneingangs-Personal
  • Bei Outsourcing: die komplette Logistik-Dienstleister-Rechnung

In automatisierten Lagern sinkt dieser Block deutlich (auf 15 – 25 %), dafür steigen die Abschreibungen auf die Anlagen.

Block 3 — Kapitalbindung (typisch 15 – 30 %)

Der oft vergessene Block. Jeder Euro im Lagerbestand ist gebundenes Kapital — Opportunitätskosten in Höhe des Kalkulationszinssatzes (typisch 4 – 8 % p. a.).

  • Bei 300 000 € Ø Bestand und 5 % Zins: 15 000 € Kapitalbindungskosten/Jahr
  • Bei 1 Mio € Bestand und 6 % Zins: 60 000 €/Jahr — größer als die Miete

Ausführlich erklärt im Kapitalbindungs-Ratgeber.

Block 4 — Versicherungen (typisch 2 – 5 %)

Kleinerer, aber notwendiger Block:

  • Inhaltsversicherung für Lagerbestand
  • Gebäudeversicherung (anteilig)
  • Transportversicherung bei häufigen Bewegungen
  • Cyber-Versicherung für Warenwirtschaftssysteme

Block 5 — Schwund & Wertverlust (typisch 3 – 10 %)

Bestandsverluste durch:

  • Inventurdifferenzen — Mengen weichen von der Buchführung ab
  • Diebstahl (intern + extern)
  • Beschädigung beim Handling
  • Überalterung & Verfall — besonders Lebensmittel, Pharma, Tech
  • Modeverluste — abgewertete Saisonware

Faustwert: 1 – 3 % vom Bestandswert pro Jahr im Handel; in der Industrie meist niedriger (0,5 – 1 %), in der Mode höher (5 – 15 %).

Block 6 — Lager-IT & Verwaltung (typisch 3 – 8 %)

Oft separat ausgewiesen, gehört aber zu den echten Lagerkosten:

  • Warenwirtschaftssystem (ERP-Anteil, WMS-Lizenzen)
  • Scanner, Etikettendrucker, Wartung
  • Inventur-Aufwand (Personal + System)
  • Bestandscontrolling (anteilige Stelle)

Lagerkostensatz als Gesamt-Kennzahl

Lagerkostensatz = Gesamte Lagerkosten / Ø Lagerwert × 100

Branchen-Benchmarks:

  • 10 – 15 % — sehr effizient (große, automatisierte Logistik)
  • 15 – 25 % — typisch für KMU, gesund
  • 25 – 35 % — erhöht, Optimierungspotenzial
  • über 35 % — strukturelles Problem (zu viel Personal, falsche Location, ineffizientes Handling)

Wo am ehesten sparen?

  1. Kapitalbindung — direktester Hebel, weil Bestandsabbau sofort wirkt. 10 % weniger Bestand = 10 % weniger Kapitalbindung.
  2. Personal — durch Prozessverbesserung (Pickwege, Layout) oder Teilautomatisierung (Pick-by-Light, Förderbänder).
  3. Schwund — Inventur-Disziplin, Schadenserfassung, FIFO-Strategie für verfallsanfällige Ware.

Probier den Effekt im Rechner durch — z. B. 20 % weniger Bestand und sieh, wie der Kostensatz reagiert.