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Lagerumschlagshäufigkeit berechnen — Formel, Beispiele, Benchmarks

Die Lagerumschlagshäufigkeit (LUH) zeigt, wie oft sich der Lagerbestand pro Jahr „dreht“. Sie ist die wichtigste Effizienz-Kennzahl im Lager — und gleichzeitig die mit den meisten Berechnungs-Fehlern. Dieser Ratgeber erklärt die Formel, die Stolpersteine und realistische Branchen-Benchmarks.

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Die Grundformel

Lagerumschlagshäufigkeit (LUH) = Wareneinsatz / Ø Lagerbestand

Beide Werte zu Einkaufspreisen, Zeitraum üblicherweise ein Geschäftsjahr. Der Wareneinsatz ist die Summe aller im Jahr verbrauchten oder verkauften Waren — bei Handelsbetrieben entspricht das dem COGS (Cost of Goods Sold), in der Industrie dem Materialeinsatz.

Beispielrechnung

  • Wareneinsatz pro Jahr: 2 400 000 €
  • Ø Lagerbestand: 300 000 €
  • LUH = 2 400 000 / 300 000 = 8,0
  • Das Lager dreht sich also 8-mal pro Jahr.

Lagerdauer als Kehrwert

Lagerdauer (Tage) = 365 / LUH

Bei einer LUH von 8 liegt jedes Produkt im Schnitt 365 / 8 ≈ 46 Tage im Lager. Diese Kennzahl ist für die Liquiditätsplanung wichtig — sie zeigt, wie lange Kapital im Bestand gebunden ist, bevor es als Umsatz zurückfließt.

Branchen-Benchmarks

Die „richtige“ LUH hängt stark von der Branche ab. Faustwerte aus dem deutschen Markt (BVL- und IHK-Statistiken):

  • Lebensmittel-Einzelhandel: 25 – 35 (Schnelldreher, kurze Haltbarkeit)
  • Mode: 4 – 8 (saisonal stark schwankend)
  • Baumärkte: 4 – 6 (breites Sortiment, viele Langsamdreher)
  • B2B-Großhandel: 6 – 12
  • Industrie (Rohstoffe): 4 – 8
  • Pharma: 6 – 10
  • Automobilzulieferer (JIT): 8 – 15

Was niedrige und hohe Werte bedeuten

LUH deutlich unter Branchenschnitt

Symptom: Bestand bindet zu viel Kapital. Mögliche Ursachen:

  • Überbestände bei C-Artikeln (Langsamdreher)
  • Zu hohe Sicherheitsbestände aus Vorsicht
  • Falsche Forecasts → zu große Bestellmengen
  • Nicht abgebaute Saisonware (Mode, Saisonelektronik)

Hebel: ABC-Analyse, Sicherheitsbestand statistisch neu kalkulieren, Sortiment ausdünnen.

LUH deutlich über Branchenschnitt

Symptom: knappe Bestände, Lieferengpass-Risiko. Mögliche Ursachen:

  • Zu knapper Sicherheitsbestand
  • JIT ohne ausreichend stabile Lieferanten
  • Reaktive statt proaktive Bestellpolitik
  • Bestandsabbau-Initiative übers Ziel hinausgeschossen

Hebel: Servicegrad-Analyse (wie oft können Lieferungen nicht erfüllt werden?), Sicherheitsbestand statistisch erhöhen.

Häufige Berechnungs-Fehler

1. Bestand zu Verkaufspreisen bewertet

Der Lagerbestand muss zu Einkaufspreisen bewertet werden — sonst vergleichst du Äpfel (Wareneinsatz = EK) mit Birnen (Bestand = VK). Bei 30 % Rohmarge wäre die LUH dann 1,3 × niedriger als korrekt.

2. Anfangs- und Endbestand statt monatlicher Mittelwerte

Bei stark saisonalem Geschäft (Mode, Garten, Spielzeug) verzerrt die Faustformel (Anfangsbestand + Endbestand) / 2 das Bild stark. Besser: monatliche Bestandswerte und daraus den Mittelwert.

3. Werkstoffe und Halbfertigprodukte vergessen

In der Industrie fließen oft nur Fertigwaren in die Kennzahl — Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Halbfertigprodukte werden vergessen. Das macht die echte Kapitalbindung um 30 – 50 % größer als ausgewiesen.

4. Eine globale LUH statt ABC-getrennt

Eine globale LUH mittelt A-Schnelldreher (LUH 30+) mit C-Langsamdrehern (LUH 1 – 2). Das Mittel sagt wenig — die echte Optimierungsfrage ist bei welchen Artikeln der Bestand zu hoch ist. Lies dazu unseren Artikel zur ABC-Analyse.

Verbindung zu den Lagerkosten

Eine Verdopplung der LUH halbiert (vereinfacht) den Ø Bestand bei gleichem Wareneinsatz — und damit auch die Kapitalbindungskosten. Bei 300 000 € Bestandsabbau und 5 % Kalkulationszins sind das 7 500 € pro Jahr alleine an Zinskosten. Plus weniger Lagerfläche, weniger Schwund, weniger Inventurarbeit. Der Rechner zeigt den Effekt direkt — einmal mit halbiertem Bestand spielen.